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Das Leben wird nicht leichter – ich werde stärker

14. Oktober 2026
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Gastbeitrag

Lisa’s Gastbeitrag

Ich bin Lisa und gerade 31 geworden.

Das Thema Onkologie kannte ich schon als Jugendliche: Meine jüngere Schwester hat damals den Kampf gegen ihren Gehirntumor verloren und passt seitdem von oben auf mich auf. 2019 die nächste Onko-Diagnose in der Familie: Meine Mutter erkrankte als Nichtraucherin an einem Lungenkarzinom.

Und dann kam der 01.07.2021 – ein Donnerstag. Ich saß in Italien im Urlaub im Auto auf dem Weg nach Turin und wusste, dass der Befund meiner Biopsie bei meiner Frauenärztin vorliegt. Den Knoten hatte mein damaliger Freund Anfang Juni bei Rumblödeleien beim Zähneputzen ertastet und es erfolgten Ultraschall, Mammographie und Biopsie. Schon zu Beginn des Urlaubes hatte ich den Knoten für den Falle des Falles „Napoleon“ getauft und ihm gesagt, dass er jetzt bitte den Abflug nach Elba machen kann, bevor er dann endgültig auf St. Helena verbannt wird.

 

Nun denn: Ich telefonierte mit meiner Ärztin und sie teilte mir mit, dass der Tumor bösartig ist und nun Chemo, OP und Bestrahlung anstehen werden. Glücklicherweise wusste ich schon, dank meiner kleinen Schwester, was dies alles bedeutet. Napoleon habe ich von Anfang den Kampf angesagt und so saß ich lachend im Auto und freute mich, dass das Leben schön ist.

Abends saßen wir in einem der besten Restaurants in Turin, blickten von einem kleinen Hügel über die Stadt und konnten einen tollen Sonnenuntergang beobachten. Kurz darauf bekam ich die Nachricht, dass das Herz meiner Mutter aufgehört hat zu schlagen. Von da an war meine Basis: „Trust the timing of your life”. Die Frage nach dem Warum habe ich mir einfach nicht gestellt.

 

Für mich folgten Klinikbesuche, Gespräche mit der Krankenkasse und dem Arbeitgeber. Nebenbei noch die Beerdigung meiner Mutter, am Todestag meiner Schwester. Ich blieb bei all dem positiv und machte mir meinen Plan! Meine kleine Schwester hat mir nämlich viel im Kampf gegen einen Tumor gezeigt und ist in der Zeit noch mehr zu meinem Vorbild geworden.

Die Wörter „Krebs“ und „Krankenhaus“ habe ich durch Tumor oder Napoleon sowie Gesund-mach-Haus oder Klinikum ersetzt. Mein Umfeld unterstütze mich, wo immer möglich und so konnte ich mich auf den Beginn meiner Chemo konzentrieren. Die Parole „Stärkster Mensch der Welt“ kam von meinem damaligen Freund. Und psychologische Hilfe war von Anfang dabei, da ich mich schon in Therapie befand.

 

Bei beiden Chemos hielten sich die Nebenwirkungen in Grenzen und auch an meine „Murmel“ hatte ich mich schnell gewöhnt. Eine Perücke hatte ich zwar, habe diese aber nie angezogen. Das „once-in-a-lifetime-highlight“ war an Halloween, als meine Murmel als mexikanische Katrina bemalt wurde.

Zwischen den Jahren erfolgte die OP. Da ich kaum Wundwasser hatte, wurde es ein Kurzbesuch – 3 Tage später war ich wieder zuhause und konnte Silvester feiern und mich auf das neue Jahr freuen. Das Motto: stronger than ever!

 

Das nächste Jahr begann sehr positiv, als ich die Nachricht bekam, dass ich tumorzellenfrei bin. Seitdem normailisiert sich mein Alltag.

Die Bestrahlung ist geschafft, die Reha tat sehr gut und bald geht es ins Arbeitsleben zurück. Vorher heißt es aber für mich umziehen, denn nach acht Jahren Beziehung ist seit Ostersonntag bei mir und meinem Ex-Partner Schluss und wir werden getrennte Wege gehen. Aber auch hier weiß ich, dass ich das schaffen werde und das Leben mir ein neues Kapitel schenkt. Ostern ist die Auferstehung und somit ist es Zeit für neue Abenteuer. Das Leben wird nicht leichter – Ich werde stärker. Frei nach dem Motto: „Schließe ab, mit dem was war. Sei glücklich mit dem, was ist. Und sei offen für das, was kommt.“

 

Napoleon hat mir zwar was genommen, aber mir sehr viel fürs Leben gezeigt: Positiv bleiben! Das Leben hat einen Plan und das Leben ist schön.

Und vor allem: Es ist alles möglich, was wir wollen, wir uns wünschen! Wir sind stärker, als wir denken! Man muss an sich glauben und Mut haben und dann wird das Leben gerockt. Meine Sicht auf mein Leben hat sich etwas verändert: das Leben (besser: mein Leben) steht im Vordergrund und die Gesundheit ist unser oberstes Gut.

 

Wer seinen eigenen Weg geht, dem wachsen Flügel (Zen-Meister).

Du musst nicht immer einen Plan haben. Manche Wege ergeben sich erst, wenn du sie gehst.

Train yourself to let go of everything you fear to lose (Yoda).

Das habe ich noch nie vorher versucht. Also bin ich völlig sicher, dass ich es schaffe (Pippi Langstrumpf).

Update Juli 2023

Das Leben geht verrückt weiter…! Inzwischen sind schon zwei Jahre nach Diagnose vergangen…

Nach der Reha in 2022 bin ich aus der gemeinsamen Wohnung von meinem ExPartner und mir ausgezogen, da ich innerhalb von drei Tagen nach Rückkehr aus der Reha meinen neuen Mietvertrag unterschrieben habe. Die Wiedereingliederung konnte ich erfolgreich abschließen, dennoch stand auch dort eine Veränderung an und so habe ich im März 2023 einen neuen Job angetreten –

sogar im Life Science mit etwas Bezug zur Onkologie. Doch vor meinem neuen Job durfte ich meinen angesammelten Urlaub abbauen, so ging es mehrmals in die Berge in die Schweiz, sowie für insgesamt drei Monate nach Costa Rica, davon einmal drei Wochen mit einem 25L-Rucksack als Backpackerin durch’s ganze Land. Dabei habe ich Land und Leute lieben gelernt, vor allem einen Ort an der Karibischen Küste, dass ich mich entschieden habe etwas länger dort zu verbringen und das Leben zu genießen.

 

Das Lebensmotto in Costa Rica lautet Pura Vida und ich wurde mit meinem Sein und Tun in die „One Love – Wolaba“- Family aufgenommen. Weihnachten und Silvester habe ich am Strand in Bikini genießen dürfen und habe unvergessliche Momente mit tollen Menschen erlebt. Und wer weiß, wann es mich das nächste Mal in Costa Rica zieht… die letzten Male habe ich mehr oder weniger von heute auf morgen den Flug gebucht und es juckt mich wieder in den Finger the Magic and the Flow of Life auf dem amerikanischen Kontinent zu genießen.

Meine zweite Reha habe ich im Mai-Juni in der gleichen Klinik wie letztes Jahr durchgeführt und es war zum zweiten Mal eine wundervolle Zeit und wie war das?

Das Schicksal mischt die Karten und wir spielen das Spiel? Behandlungsmäßig habe ich im März die Antikörper-Therapie erfolgreich abgeschlossen und die Klinik hat mir einen Termin zur Port-Explantation gegeben.

Das Schicksal hat die Karten gemischt und es war nach dem 01.07.2021 wieder ein bemerkenswertes Datum. Der 12. Juli läutet das Ende der (Familie-)Ära Onkologie ein. 2005 ist meine Schwester an dem Tag verstorben, 2021 wurde meine Mutter beigesetzt und in 2023 wurde bei mir der Port explantiert.

Am 12.07.2023 endete mein erstes Leben und nun ist mein zweites Leben gestartet.

 

Ich bin mich sicher und ich weiß, dass es Leben kommt, wie es kommt und es kommt immer für mich. Ich bin sehr dankbar für das Erlebte und die Erfahrung!

Ich bin genauso dankbar für jeden Menschen, der mich begleitet und unterstützt hat (und es noch tut), für jeden Menschen, den ich neu getroffen habe, kennenlernen durfte, oder auch für die Personen, dessen Weg sich von meinem getrennt hat.

I am spreading my wings and I am flying into my life! There are wonders and mircales everywhere! I have started that brand new story, cause’ “I am not a Rockstar, I am a Legend” (frei nach Freddy Mercury). It is the story of my life

 

We don’t meet people by accident. They are meant to cross our path for a reason.

Wenn man mit Flugkraft auf Reisen geht und sich mit Wurzeln auf den Rückweg macht, die Flügel weiter wachsen, dann ist das alles Pura Vida (Lisa Kernchen)

One day I will tell my story of how I overcame what I went through and it will be someone else’s survival guide.

Vielleicht geht auf dem Weg nicht darum, etwas zu werden. Vielleicht geht es darum, alles abzuwerfen, was wir nicht sind, sodass wir das sein können, wofür wir bestimmt sind (Paulo Coelho).

Et kütt wie et kütt (Kölsches Grundgesetz)

 

Liebe Pink-Sisters!

Habt Mut und genießt das verrückte Abenteuer Leben! Denkt daran: Sometimes the bad things that happen in our lives put us directly on the path to the best things that will ever happen to us.

In jeder/jedem von uns steckt eine Pippi Langstrumpf. „ Lass dich nicht unterkriegen. Sei frech, wild und wunderbar!“

Ihr schafft es! Stronger together