Tanja’s Gastbeitrag
Mit 26 Jahren bekam ich die Diagnose Hodgkin-Lymphom, eine Form von Lymphdrüsenkrebs. Plötzlich veränderte sich mein Leben. Ich war jung, und auf einmal musste ich mich mit Dingen auseinandersetzen, mit denen ich mich in diesem Alter eigentlich noch nicht beschäftigen wollte. Fragen, Ängste und die Ungewissheit darüber, wie es weitergehen würde, rückten in den Mittelpunkt.
Es folgte eine schwere Zeit mit Chemotherapie. Eine Krebserkrankung betrifft nicht nur den Körper, sondern verändert auch den Blick auf das eigene Leben. Vieles, was vorher selbstverständlich war, bekommt plötzlich eine andere Bedeutung.
Während meiner Erkrankung begann ich, Tagebuch zu schreiben und täglich Fotos zu machen. Ich hielt meine Erlebnisse fest, ohne damals zu wissen, dass diese Aufzeichnungen viele Jahre später einmal die Grundlage für mein eigenes Buch werden würden.
Eine schwere Erkrankung hinterlässt Spuren. Auch wenn die akute Krankheitszeit irgendwann vorbei ist, bedeutet das nicht automatisch, dass alles wieder so ist wie vorher. Die Erfahrungen gehören zur eigenen Geschichte und prägen einen Menschen.

Doch das Leben besteht nicht nur aus der Krankheit. Es gibt auch ein Danach. Für mich ist es wichtig, beides zu sehen: die schwere Zeit, die ich erlebt habe, und das Leben, das danach weiterging. Die Vergangenheit lässt sich nicht ändern, aber sie muss nicht alles bestimmen, was noch vor einem liegt. Meine Geschichte endet deshalb nicht mit dem Krebs. Sie geht weiter – mit all den Erlebnissen und Erfahrungen, die mein Leben ebenfalls ausmachen.
Viele Jahre waren meine Tagebücher und Fotos persönliche Erinnerungen. Irgendwann entstand die Idee, meine damaligen Aufzeichnungen wieder hervorzuholen und daraus ein Buch zu machen. Ich übertrug meine Tagebucheinträge in ein Dokument, ordnete meine Erinnerungen und arbeitete meine Geschichte aus. So entstand Schritt für Schritt mein Buch „Tangiii – Wie ich lernte, nach dem Krebs wieder zu leben“.

Beim Schreiben blickte ich noch einmal auf eine Zeit zurück, die mich geprägt hat. Aus den damaligen Aufzeichnungen wurde eine zusammenhängende Geschichte, die ich heute mit anderen Menschen teilen kann. Dabei ging es mir nicht darum, die Vergangenheit schöner darzustellen, als sie war. Ich wollte meine Geschichte erzählen, so wie sie zu meinem Leben gehört. Denn die Frau, die ich heute bin, ist nicht mehr dieselbe wie damals. Die Erkrankung ist ein Teil meiner Vergangenheit, aber sie macht nicht meine ganze Persönlichkeit aus.
Mit meinem Buch möchte ich vor allem anderen Menschen Mut machen. Besonders Menschen, die selbst eine Krebserkrankung erlebt haben oder gerade durch eine schwierige Zeit gehen, sollen wissen, dass sie mit ihren Erfahrungen nicht allein sind.

Jeder Mensch erlebt eine Erkrankung anders. Jeder hat eigene Ängste, Gedanken und seinen ganz persönlichen Weg. Deshalb möchte ich niemandem erklären, wie man mit Krebs umgehen muss. Ich kann nur meine eigene Geschichte erzählen. Vielleicht erkennt sich jemand in bestimmten Situationen wieder. Vielleicht hilft es, zu lesen, dass das Leben auch nach einer solchen Erfahrung weitergeht. Oder vielleicht macht es einfach ein wenig Mut, wieder nach vorne zu schauen.
Ein Mensch ist so viel mehr als seine Diagnose. Und eine Krebserkrankung muss nicht das einzige Kapitel bleiben, über das gesprochen wird. Neben den schwierigen Erinnerungen darf es auch wieder schöne Momente geben. Es darf neue Pläne geben, Wünsche und Erlebnisse, auf die man sich freut.

