- Seit dem ersten TREFFPUNKT 2016 in Jena sind ein bundesweites Netzwerk mit knapp 40 regionalen TREFFPUNKTEN und vier überregionalen Angeboten entstanden.
- Mehr als 1.000 junge Erwachsene mit Krebs sind deutschlandweit in den TREFFPUNKTEN aktiv.
- Die neuen Angebote Pura Vida (palliativ), Queer, English und Digital greifen unterschiedliche Lebenssituationen und Bedürfnisse junger Menschen mit Krebs auf.
- Die Erfahrungen aus dem TREFFPUNKT-Netzwerk fließen auch in die Interessenvertretung der Stiftung ein, etwa in den Einsatz für das Recht auf Vergessenwerden und gegen Benachteiligungen im Alltag.
Berlin, 28. September 2026 – Als 2016 der erste TREFFPUNKT in Jena entstand, ging es um eine einfache Idee: Junge Menschen mit Krebs sollten auf andere treffen können, die verstehen, was es bedeutet, in jungen Jahren mit Krebs zu leben. Zehn Jahre später ist daraus ein bundesweites Netzwerk mit knapp 40 regionalen TREFFPUNKTEN und vier überregionale Angebote mit mehr als 1.000 jungen Betroffenen geworden. Was alle TREFFPUNKTE verbindet: Sie werden maßgeblich von jungen Menschen mit eigener Krebserfahrung getragen und weiterentwickelt.
Austausch auf Augenhöhe
Eine Krebserkrankung trifft junge Menschen in einer Lebensphase, in der Ausbildung, Berufseinstieg, Partnerschaft, Familienplanung und finanzielle Unabhängigkeit zentrale Themen sind. Neben der medizinischen Behandlung entstehen viele Fragen, für die im klinischen Alltag häufig wenig Raum bleibt. Die TREFFPUNKTE schaffen genau diesen Raum: für ehrlichen Austausch, gegenseitige Unterstützung und Begegnung jenseits des medizinischen Alltags. Dabei gestalten die Betroffenen ihre Gruppen selbst: Sie setzen eigene Schwerpunkte und entwickeln Aktivitäten, die zu ihnen und ihrer Lebenssituation passen. Eine medizinische Fachperson steht den Gruppen beratend zur Seite.
„Das Besondere an den TREFFPUNKTEN ist, dass junge Betroffene nicht nur Teilnehmende sind, sondern selbst Verantwortung übernehmen und das Angebot mitgestalten“, so Janine Schulze,
Projektleiterin der TREFFPUNKTE. Schulze weiter: „Dieses ehrenamtliche Engagement ist über die vergangenen zehn Jahre zu einer tragenden Säule des gesamten Netzwerks geworden. Die jungen Menschen bringen ihre eigenen Erfahrungen ein, unterstützen sich gegenseitig und geben der Stiftung immer wieder wichtige Impulse für ihre Arbeit.“
Das Netzwerk wächst mit den Bedürfnissen junger Betroffener
Mit den Jahren hat sich auch das Angebot der TREFFPUNKTE weiterentwickelt. Neben den fast 40 regionalen Gruppen gibt es inzwischen vier überregionale Formate:
- Der TREFFPUNKT Pura Vida richtet sich an junge Erwachsene mit einer palliativen Krebsdiagnose und bietet Raum fu r Austausch, emotionalen Rückhalt und Gespräche über schwierige Themen rund um das Lebensende.
- Der TREFFPUNKT Queer bietet einen diskriminierungssensiblen Raum für queere junge Erwachsene mit Krebserfahrung. Themen sind unter anderem Diskriminierung, Sexualität und psychosoziale Unterstützung.
- Im TREFFPUNKT English ermöglicht jungen Erwachsenen den Austausch auf Englisch und schafft damit ein niedrigschwelliges Angebot für Menschen, für die die deutsche Sprache im Gesundheits- und Versorgungssystem eine zusätzliche Hürde darstellt.
- Der TREFFPUNKT Digital ermöglicht Austausch unabhängig vom Wohnort und richtet sich unter anderem an junge Menschen, die keinen regionalen TREFFPUNKT erreichen können oder sich in einer intensiven Therapiephase befinden.
Ehrenamt verbindet Austausch und Interessenvertretung: Recht auf Vergessenwerden
Die enge Verbindung zu jungen Betroffenen prägt die gesamte Arbeit der Deutschen Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs. Durch den regelmäßigen Austausch mit Menschen aus ganz Deutschland erfährt die Stiftung unmittelbar, welche Fragen und Herausforderungen junge Erwachsene während und nach einer Krebserkrankung beschäftigen. Denn auch nach der Behandlung können körperliche und psychische Spätfolgen, die Rückkehr in Arbeit oder Studium, Beziehungen und Familienplanung sowie finanzielle und gesellschaftliche Benachteiligungen eine Rolle spielen.
Ein Beispiel dafür ist das Recht auf Vergessenwerden, für das sich die Stiftung gemeinsame mit ihrer Stifterin, der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und medizinischer Onkologie e.V. (DGHO), seit vielen Jahren einsetzt. Eine überstandene Krebserkrankung sollte nicht ein Leben lang darüber entscheiden, welche Möglichkeiten einem Menschen offenstehen. Dennoch erleben Betroffene beispielsweise bei Versicherungen, Krediten, Adoption oder Verbeamtungen weiterhin Benachteiligungen. Das Recht auf Vergessenwerden soll dafür sorgen, dass eine frühere Krebserkrankung der medizinischen Heilungsbewährung von fünf Jahren nicht mehr angegeben werden muss und nicht länger zum Nachteil der Betroffenen verwendet werden darf.
„Die Arbeit mit den TREFFPUNKTEN zeigt uns jeden Tag, wie unterschiedlich die Lebensrealitäten junger Menschen nach einer Krebserkrankung sind“, sagt Prof. Dr. med. Inken Hilgendorf, Kuratoriumsvorsitzende der Deutschen Stiftung fu r junge Erwachsene mit Krebs. „Deshalb müssen wir nicht nur dafür sorgen, dass junge Menschen während und nach der Erkrankung
Unterstützung finden. Wir müssen auch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen verändern, die ihnen den Weg zurück ins Leben erschweren. Das Recht auf Vergessenwerden ist dafür ein wichtiger Schritt.“
Zehn Jahre TREFFPUNKTE stehen für zehn Jahre gelebten Austausch, ehrenamtliches Engagement und gegenseitige Unterstützung. Was mit einer einzelnen Gruppe begann, ist zu einem bundesweiten Netzwerk geworden, das jungen Menschen mit Krebs eine Stimme gibt und ihre Lebensrealitäten sichtbar macht. Zum zehnjährigen Jubiläum ist gemeinsam mit den TREFFPUNKTLER:INNEN und dem Label hierfür ein offizielles TREFFPUNKT-T-Shirt entstanden. Es greift den Satz „Du bist so stark, ich könnte das ja nicht“ auf und hinterfragt, was Stärke bedeutet, wenn sie keine bewusste Entscheidung, sondern manchmal schlicht das Weitermachen ist.
Über die Deutsche Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs
Die Deutsche Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs ist Ansprechpartnerin für Patient:innen, Angehörige, Wissenschaftler:innen, Unterstützer:innen und die Öffentlichkeit. Die Stiftungsprojekte werden in enger Kooperation mit den jungen Betroffenen, Fachärztinnen und ärzten sowie anderen Expertinnen und Experten entwickelt und bieten direkte und kompetente Unterstützung im Alltag mit der schweren Erkrankung. Dabei arbeitet die Stiftung inzwischen mit über 1.000 jungen Betroffenen zusammen. Die Stiftung ist im Juli 2014 von der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e. V. gegründet worden. Ihre Arbeit ist als gemeinnützig anerkannt und wird durch Spenden finanziert.
Spendenkonto der Deutschen Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs:
Bank für Sozialwirtschaft
IBAN: DE37 3702 0500 0001 8090 01
BIC: BFSW DE33 XXX

