Mein Leben ist anders, als früher – aber ich bin auch glücklicher – Alenas Geschichte

4. März 2022 –

Ein Gastbeitrag von Alena

Schon wieder Anfang März. In ein paar Tagen habe ich Geburtstag. Wie jedes Jahr aufs Neue. Und das macht mich extrem glücklich. Nicht, weil ich so gerne Geburtstag feiere, sondern weil ich überhaupt älter werden darf. Und so viel noch erleben darf. Und ein ganz normales Leben führen darf, so wie die meisten anderen in meinem Alter auch.

Mit dem einzigen Unterschied: Ich weiß, wie es ist, wenn das Leben, das man führt, nicht mehr ganz so normal ist. Wenn alles aus den Fugen gerät und die Welt für einen kurzen Moment stehen bleibt. Und sich dann ganz langsam wieder weiterdreht. Aber eben nicht mehr so, wie vorher. Genauso ging es mir im Oktober 2018, als ich die Diagnose Krebs bekam.

Ich hatte mich zu dem Zeitpunkt schon seit einigen Monaten mit unklaren Magen- Darm- Beschwerden rumgeschlagen. Da ich mein ganzes Leben bis dahin aber schon immer einen nervösen Magen und einen sehr zickigen Darm hatte, habe ich es nicht sonderlich ernst genommen und auf den Stress geschoben. Schließlich ist ein Job als Gesundheits- und Krankenpflegerin und ein berufsbegleitendes Studium nicht gerade stressfrei. Aber irgendwann kam dann der Abend, an dem auf einmal gar nichts mehr ging und ich vor lauter Schmerzen nicht mehr wusste, wohin mit mir. Also ging es ins Krankenhaus. Und dort bekam ich dann die mehr als bescheidene Diagnose: Darmkrebs. Im weit fortgeschrittenen Stadium sogar. Soweit, dass der Tumor den Darm bereits fast vollkommen verschlossen hatte. Daher auch meine Symptome. Und natürlich, als wäre nicht alles schon schlimm genug gewesen, hatte der Krebs bereits meine Leber befallen. Deswegen kam nur eine große Operation in Frage. Hemikolektomie links, also eine Entfernung des betroffenen Darmteils und eine Leberteilresektion. Und weil der Krebs sich schon so ausbreiten konnte, musste ich natürlich noch eine Chemotherapie über mich ergehen lassen. Insgesamt 12 Zyklen, verteilt auf acht Monate. Während dieser ganzen Zeit habe ich nicht nur einmal darüber nachgedacht, alles hinzuschmeißen und einfach aufzugeben. Aber das habe ich nicht. Ich habe es durchgezogen. Mit allen Nebenwirkungen, die die Chemotherapie hatte. Und die ich jetzt immer noch spüre und die mich auch heute noch einschränken in meinem Alltag, jeden Tag aufs Neue. Aber weil ich es durchgezogen habe, gelte ich heute als geheilt. Und das schon seit dem Sommer 2019. Ein Jahr, nachdem die ersten Symptome aufgetaucht waren.

Mittlerweile bin ich also seit fast drei Jahren Krebs- und Chemo frei. Seitdem ist unfassbar viel passiert. Ich musste zwar noch einige Operationen über mich ergehen lassen – unabhängig vom Krebs, aber leider nicht weniger gefährlich und schmerzhaft – aber dafür gab es auch viel Positives in der Zeit. Ich habe das Studium durchgezogen während der akuten Krankheitsphase und habe meinen Bachelor gemacht. Ich habe während meiner Reha großartige Menschen kennengelernt, die mich heute noch in meinem Leben begleiten. Ich habe mittlerweile einen tollen Job, der mir viel Spaß macht und bin momentan so glücklich wie noch nie.

Aber natürlich ist die Krankheit immer noch präsent in meinem Leben. Jeden Tag. Es gibt Tage, an denen geht es mir einfach nicht gut, an denen ich zu müde bin für alles oder mich einfach auf nichts konzentrieren kann und ich eine negative Grundstimmung habe. Die Polyneuropathien – Nervenempfindungsstörungen – an den Händen und Füßen begleiten mich seit drei Jahren und es ist keine Besserung in Sicht. Meinem Arzt statte ich immer noch regelmäßige Besuche ab für einen gesundheitlichen Check- Up.

Mein Alltag unterscheidet sich sehr von dem Alltag anderer junger Menschen. Ich habe andere Probleme, andere Sorgen, andere Ängste und andere Erfahrungen. Und somit ist der Krebs, auch wenn ich als geheilt gelte, nach all den Jahren noch ein alltäglicher Begleiter für mich. Und das ist auch ganz gut so. Denn die Zeit meiner akuten Erkrankung ist etwas, was mich geprägt und zu dem Menschen gemacht hat, der ich heute bin. Zu einem glücklichen Menschen!