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Diagnose Schilddrüsenkrebs – Warum es keinen guten Krebs gibt

28. Mai 2026
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Gastbeitrag

Lisa’s Geschichte

Ich war 14, als ein geschwollener Lymphknoten alles veränderte. Ich fühlte mich gesund, hatte keine Schmerzen und verstand nicht, warum alle sich Sorgen machten. Ich war einfach ein genervter Teenie.

Dann folgte die Diagnose. Erst nur vorsichtig formuliert. Was es wirklich bedeutete, erfuhr ich nicht von einem Arzt oder meinen Eltern, sondern durch eine Freundin, die, im Gegensatz zu mir, schon mal das Wort „Chemo“ gehört hatte: Ich hatte Krebs. Genauer gesagt ein Hodgkin Lymphom, wie ich später erfuhr. In diesem Moment wurde aus einem Kind plötzlich jemand, der verstand, dass das Leben nicht selbstverständlich ist.

Es folgten Monate voller Therapie. Chemotherapie, Bestrahlung, Hoffnung, Angst. Ich verlor meine Haare, meine Unbeschwertheit und auch ein Stück meiner Kindheit. Die üblichen Teenie-Sorgen meiner Freundinnen fühlten sich für mich auf einmal komplett belanglos an.

Und doch: Ich wurde gesund.

 

Viele Jahre vergingen. Ich ging regelmäßig zur Nachsorge, Jahr für Jahr. Diese Termine wurden zu einem festen Anker, zu einem Gefühl von Sicherheit.

Zwölf Jahre nach meiner ersten Diagnose wurde bei einer Routineuntersuchung zufällig eine Auffälligkeit in meiner Schilddrüse entdeckt. Ein Teil wurde operativ entfernt.

Kurz darauf die zweite Diagnose: Krebs.

Dieses Mal ein papilläres Schilddrüsenkarzinom. Die Behandlung schien überschaubar. Eine Operation, engmaschige Kontrollen, zusätzliche Schilddrüsenhomone in Tablettenform, um den fehlenden Schilddrüsenteil abzufangen. Ich atmete auf.

 

 

Doch drei Jahre später veränderten sich meine Werte erneut. Meine Ärztin wurde misstrauisch. Trotz zunächst unauffälliger Einschätzungen anderer Fachärzte bestand sie darauf, genauer hinzusehen.

Eine Entscheidung, die mein Leben retten sollte. Denn was zunächst niemand vermutete: Der Krebs war zurück. Und er hatte bereits gestreut – in Lymphknoten und Lunge.

Es folgten Radiojodtherapien. Wochen der Isolation, körperliche Ausnahmesituationen durch das Absetzen meiner Schilddrüsenhormone: extreme Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, Muskelschwäche, Übelkeit. Ich dufte nicht mal mehr Auto fahren. Mein Leben stand still.

Aber ich machte weiter. Ein Jahr lang. Dann, genau am Jahrestag der Diagnose, kam die Nachricht: krebsfrei.

 

Oft hört man, Schilddrüsenkrebs sei „der bessere Krebs“. Aus meiner Sicht gibt es keinen „guten“ Krebs. Ja, manche Therapien sind körperlich weniger belastend als andere. Ich bin froh, dass ich nicht noch einmal durch die Tortur einer Chemotherapie musste. Aber Krebs ist mehr als seine Behandlung. Es ist die Angst. Die Ungewissheit. Die ständige Konfrontation mit der eigenen Endlichkeit. Für einen selbst und für alle, die einen lieben.

Mit 30 Jahren habe ich drei Mal gegen Krebs gekämpft und gewonnen.

Und heute? Heute bin ich gesund.

Heute bin ich voller Dankbarkeit.

Und heute darf ich Mama sein.

Dass ich dieses Leben führen darf, verdanke ich nicht nur meiner eigenen Stärke. Ich verdanke es vor allem einer Sache: konsequenter Nachsorge.

Und einer wundervollen Ärztin, die nicht lockergelassen hat, als andere längst aufgehört hätten hinzusehen.