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Skating Along – Zwischen bunten Streuseln und dunklen Wolken

14. April 2026
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Gastbeitrag

Sam’s Geschichte

16. August 2025. Ein warmer, leichter Tag.

Ich fühlte mich schon seit Jahren immer wieder geschwächt, schob es aber meist auf Stress und Verspannungen. Als Bewegungstherapeutin war ich es gewohnt, meinem Körper zu helfen – irgendwie ging es immer weiter. Ich bin ein lebensbejahender Mensch. Ich liebe die Natur, die Fotografie und die leisen Zwischentöne. In diesem Sommer wurden sie mir bewusster denn je.

An diesem Tag freute ich mich auf ein Treffen mit einer Freundin. Es fühlte sich an wie ein zweites Sonnendate – leicht, aufgeregt, mit Herzklopfen. Wir verabredeten uns zu einem Skateevent. Skateboarden ist seit Jahren meine Leidenschaft, und so war es doppelt schön. Dann änderte sich alles. Bei einem missglückten Trick bekam ich ein Skateboard frontal an die Stirn. Schädelhirntrauma. Fünf Stiche.

„Schon wieder Glück gehabt“, dachte ich. Denn Stürze kannte ich. Schon als Kind und Jugendliche war ich öfter auf den Kopf gefallen – vom Fahrrad, vom Pferd oder durch Zusammenstöße.

 

Doch diesmal war es anders. Einige Tage später begannen die Symptome: Drehschwindel, Unsicherheit – und zum ersten Mal in meinem Leben echte Angst. Ein MRT brachte Gewissheit: Etwas stimmt nicht. Es folgten weitere Untersuchungen. Die Diagnose: ein langsam wachsender Hirntumor. Ein Oligodendrogliom. Seit Jahren in meinem präzentralen Cortex – inzwischen größer als eine Walnuss. Plötzlich ergab vieles einen anderen Sinn.

Meine „Verspannungen“, Taubheitsgefühle, Schwäche, Missempfindungen, das Gefühl von Kälte und Bewegungsstarre in meiner linken Körperseite – vielleicht war es nie nur Stress. Mein „Schatten“, wie ich ihn irgendwann nannte, lag genau dort, wo Bewegung entsteht.

Am 8. Dezember wurde ich operiert. Eine vollständige Entfernung war nicht möglich – nur etwa 50 %, da sonst eine Lähmung meiner linken Körperhälfte gedroht hätte. Ein Einschnitt. Die Behandlung geht weiter – aktuell mit dem Medikament Varansidenib.

 

Und trotzdem: Ich bin dankbar. Mein Körper trägt mich durch all das. Viele Ärzt*innen haben mir gespiegelt, dass meine Kontinuität in Bewegung und meine Verbindung zu meinem Körper mich dabei unterstützen. Ich gehe weiter. Schritt für Schritt. In meinem Tempo. Ich lerne, achtsam zu sein – nicht nur für andere, sondern vor allem für mich. Ich bin nicht jeden Tag fröhlich. Aber ich gebe meinen Emotionen Raum. Und ich spüre, wie kostbar jeder Moment ist. Mein Körper – und auch mein Kopf – sind mein Zuhause. Ich darf neugierig bleiben. Grenzen wahrnehmen. Mich selbst immer wieder neu entdecken.

Was oft nicht gesagt wird: Menschen reagieren unterschiedlich auf eine Krebsdiagnose. Und gerade in jungen Jahren ist „alles wie vorher“ nicht einfach wieder möglich. Aber ich vertraue darauf, dass meine Erfahrungen, mein Lebensmut, meine Neugier und mein neu gelerntes Vertrauen ihren Platz finden.