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Wenn Worte fehlen: Ein Label für echte Gefühle

11. Februar 2026
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Aus den TREFFPUNKTEN, News

Wie offen können wir über Krebs sprechen, wenn er junge Menschen trifft? Gibt es Raum für Wut, Überforderung und widersprüchliche Gefühle? Und wohin mit all den Gedanken, die nicht in ein höfliches „Mir geht’s gut und dir?“ passen?

Diese Fragen haben sich Lisa, Simin und Conny gestellt. Alle drei erkrankten im jungen Erwachsenenalter an Krebs und lernten sich im TREFFPUNKT Köln kennen, einem Angebot der Deutschen Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs. Was sie verbindet, geht über die Diagnose hinaus: Es ist die Erfahrung, dass ihre Lebensrealität oft unsichtbar bleibt. Dass viele vorsichtig um das Thema herumreden oder ganz verstummen.

Jedes Jahr erkranken in Deutschland etwa 16.500 junge Erwachsene zwischen 18 und 39 an Krebs. Für viele bedeutet das weitreichende Veränderungen, die über medizinische Therapien hinausgehen: Die Familienplanung kann plötzlich kompliziert werden, berufliche Wege können sich versperren, Versicherungen können ablehnen. Dann wird spürbar, was es heißt, zu einer Gruppe zu gehören, die im System kaum mitgedacht wird. Die Behandlung mag irgendwann als abgeschlossen gelten, doch innen bleiben Fragen, Konflikte und Gefühle, für die die passenden Worte schwerfallen.

Das Umfeld reagiert häufig mit Schweigen oder großer Zurückhaltung. Nicht aus Gleichgültigkeit, sondern aus Unsicherheit. Manche Themen wirken zu groß, zu komplex oder zu unbequem.

Im Austausch mit anderen Betroffenen im TREFFPUNKT Köln erkannten Lisa, Simin und Conny, dass diese Erfahrung viele teilen. Für einige war der TREFFPUNKT der erste Ort, an dem ihre Lebensrealität wirklich Raum hatte: Zu gesund für feste Krankheitsschubladen und gleichzeitig verändert durch das Erlebte; oft begleitet von dem Gefühl, sich erklären zu müssen, ohne genau zu wissen wie.

 

Von der Idee zum Projekt

Zunächst entstand aus dem TREFFPUNKT ein gemeinsames Soli-T-Shirt-Projekt. Doch während dieser Zusammenarbeit kristallisierte sich für die drei heraus, welche Themen ihnen wirklich am Herzen liegen: wie wir als Gesellschaft über Krankheit reden, das reflexhafte Relativieren, den Druck zu funktionieren und den Wunsch nach mehr Ehrlichkeit, auch wenn sie unbequem ist.

Aus dieser Erkenntnis entwickelten sie das Label HIERFÜR, welches am vergangen Wochenende seinen offiziellen Launch in Köln feierte. Ihr Ziel: Sichtbarkeit schaffen für das Thema Jung & Krebs und Gespräche anstoßen.

Ihre Motivation beschreiben sie so:
„Wir sagen, was andere runterschlucken. Unsere Shirts schreien, flüstern, halten aus – wenn Worte fehlen und es schwerfällt, etwas zu sagen. Echte Gefühle, ehrliche Worte und das Versprechen: Du bist nicht allein. Weil kein Gefühl unsichtbar sein sollte.“ – Lisa, Simin und Conny | Gründer:innen von HIERFÜR

Die Botschaften auf den Shirts sind bewusst direkt. Eines trägt die Aufschrift:
„1 von 16.500 – Jede Zahl ist ein Gesicht. Eins ist meins.“
Ein anderes fordert auf: „Manchmal braucht es mehr als ein einfaches ‚Wie geht’s dir?‘“

 

 

Warum wir Teil dieser Geschichte sind

Lisa, Simin und Conny haben sich nicht nur über den TREFFPUNKT kennengelernt, sie engagieren sich auch ehrenamtlich für die Stiftung. Ein Teil der Erlöse von HIERFÜR fließt zurück an die Deutsche Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs und unterstützt damit unsere Arbeit, junge Betroffene zu begleiten und Räume für Begegnung zu schaffen.

Dass aus einer Begegnung im TREFFPUNKT Köln ein eigenes Projekt erwachsen ist, zeigt, was möglich wird, wenn Erfahrungen geteilt werden dürfen. HIERFÜR trägt diese Erfahrungen weiter, und wir sind gespannt, wohin der Weg führt.