Krebs und Kinderwunsch

Unter dem Stichwort „Krebs und Kinderwunsch“ kämpft die Deutsche Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs seit vielen Jahren um die Kostenübernahme fruchtbarkeitserhaltender Maßnahmen bei jungen Krebspatientinnen und -patienten durch die gesetzlichen Krankenkassen.

Unsere Stiftung hat dazu Vorlagen für Gesetzestexte erarbeitet, Stellungnahmen geschrieben, viele Gespräche mit Bundestagsabgeordneten fast aller Parteien und mit dem Bundesgesundheitsminister geführt, eine umfangreiche Presse- und Öffentlichkeitsarbeit geführt und gemeinsam mit ihrer Stifterin, der DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und medizinische Onkologie e. V., den 11. Band der Gesundheitspolitischen Schriftenreihe „Vom Krebs geheilt, aber nicht gesund. Keine Hoffnung auf eigene Kinder“ (2017) veröffentlicht. Besonderer Dank gilt dabei den in der Stiftung engagierten jungen Krebspatientinnen und -patienten.

Mit dem neuen Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) wurde am 10. Mai 2019 eine Änderung des §27a im Sozialgesetzbuch (SGB) V zugunsten junger Patientinnen und Patienten, die ihre Fruchtbarkeit durch eine Chemo-, Strahlen- oder andere schwere Therapien verlieren können, geschaffen. Das Gesetz verpflichtet die Kassen zur Kostenübernahme fruchtbarkeitserhaltender Maßnahmen bei Mädchen und Frauen bis zur Vollendung des 40. Lebensjahres und bei Jungen und Männern bis zur Vollendung des 50. Lebensjahres. Laut der Zahlen des Zentrums für Krebsregisterraten betrifft es jährlich bis zu 11.000 Mädchen und Frauen und bis zu 22.000 Jungen und Männer.

ABER: Leider tritt die Kostenübernahme für die jungen Betroffenen erst nach der Festlegung der Richtlinien für das Gesetz durch den Gemeinsamen Bundesausschuss in Kraft. Das kann noch einige Monate, vielleicht sogar noch ein Jahr dauern. Die Deutsche Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs fordert deshalb die Krankenkassen auf, die Kostenübernahmeanträge der jungen Patientinnen und Patienten derzeit mit Kulanz zu behandeln und Entgegenkommen zu zeigen.

  • Forderung an die privaten Krankenkassen und weitere Träger, sich anzuschließen
  • Forderung an die Landesregierungen (außer Rheinland-Pfalz), die Beihilferegelungen entsprechend anzupassen,
  • Forderung an die Bundesregierung, die Beihilferegelung für die Bundesbeamten in diesem Punkt die Zustimmung des Finanzministers zu streichen.

Dazu sollten die jungen Betroffenen die Kosten für die fruchtbarkeitserhaltenden Maßnahmen bei ihren Kassen einreichen und im Falle einer Ablehnung unbedingt Widerspruch einlegen und nachhaken.

Kosten

Bis die Richtlinien festgelegt sind, liegen die notwendigen aufzubringenden finanziellen Eigenanteile zwischen 3.500 und 4.300 Euro für die Entnahme und das Einfrieren von Eizellen bei der Frau und um 500 Euro für die Entnahme und das Einfrieren von Spermien beim Mann. Dazu kommen jährliche Kosten für die Einlagerung von ca. 300 Euro.

Hintergrund

Die Heilungsrate bei jungen Erwachsenen mit Krebs im Alter von 18 bis 39 Jahren liegt bei ca. 80 Prozent. Infolge der teilweise sehr intensiven Therapien – bspw. in Form von chemo- und/oder strahlentherapeutischen Interventionen – kann es allerdings zu einer Schädigung von Keimgewebe (Eierstöcke/Hoden) und Keimzellen (Eizellen, Spermien) und damit zu einem irreversiblen Verlust der Fruchtbarkeit (Fertilität) kommen.

Die jungen Patientinnen und Patienten erleben die Diagnose nicht selten als katastrophalen Zusammenbruch ihrer bisherigen Lebensperspektiven. Darüber trifft die Erkrankung Menschen, die sich mit der Frage zu einer eigenen Familie und Kindern bis dahin häufig noch nicht auseinandergesetzt haben. Eine entsprechende Vorsorge durch fruchtbarkeitserhaltende Maßnahmen würden vielen geheilten Krebspatientinnen und -patienten in ihrem späteren Leben ermöglichen, eigene Kinder zu bekommen.

Medizinisch etabliert

Es existieren medizinisch gut etablierte Methoden zum Fruchtbarkeitserhalt, bspw. durch die Gewinnung, das Einfrieren und die Lagerung (Kryokonservierung) von Eizellen bei Patientinnen und die Gewinnung, das Aufarbeiten und das Einfrieren von Spermien bei Patienten. Aus medizinischen Gründen müssen die Maßnahmen für die Fruchtbarkeitserhaltung vor Beginn der Therapie durchgeführt werden. Dabei ist der (Zeit-)Druck häufig enorm.

Publikation von Stiftung und DGHO e. V.

Der 11. Band der Gesundheitspolitischen Schriftenreihe der DGHO „Vom Krebs geheilt, aber nicht gesund. Keine Hoffnung auf eigene Kinder.“ setzt sich mit folgenden Fragen auseinander:

Der Band der Gesundheitspolitischen Schriftenreihe setzt sich mit folgenden Fragen auseinander:

  • Krebs, Kinderwunsch und Verlust der Fruchtbarkeit
    • Junge Frauen (Operationen, Chemotherapie, Bestrahlung, Hormone)
    • Junge Männer (Operationen, Bestrahlung, Chemotherapie)
  • Medizinische Methoden zum Erhalt der Fruchtbarkeit und die Frage der Finanzierung
    • Junge Frauen (Gewinnung, Entnahme und Einfrieren von Eizellen, Gewinnung und Einfrieren von Eierstockgewebe, Verlagerungsoptionen)
    • Junge Männer (Gewinnung, Aufarbeiten und Einfrieren von Spermien, Gewinnung und Einfrieren von Hodengewebe)

Darüber hinaus kann der Band über das Bestellformular auf der Website der DGHO kostenlos geordert werden.

Angebot für Leukämie und Lymphom-Patienten

Antrag auf Finanzierung von fruchtbarkeitserhaltenden Maßnahmen bei der Stiftung Deutsche Leukämie- und Lymphom-Hilfe:

Seit dem 1. Januar 2018 können junge Blutkrebspatientinnen und -patienten bei der Stiftung Deutsche Leukämie- und Lymphom-Hilfe einen Antrag auf Finanzierung von fruchtbarkeitserhaltenden Maßnahmen stellen.
Hier finden Sie dazu mehr Informationen.

Jung & Krebs - Erste Hilfe/Denke an morgen

Hier gibt es weitere Informationen und Videos zum Thema „Krebs und Kinderwunsch“ von jungen Betroffenen für junge Betroffene.

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JUNGES KREBSPORTAL

Das JUNGE KREBSPORTAL bietet persönliche Beratung junger Krebspatienten im Alter zwischen 18 – 39 Jahren zu sozialrechtlichen Fragen, Immundefekten, Veränderungen des Hormonhaushaltes und integrativer Krebsmedizin durch Experten.

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