Kryokonservierung – Eine Erfolgsgeschichte Teil 2

19. März 2021 –

Ein Gastbeitrag von Marc

„Diesmal sollten Sie auf jeden Fall etwas einfrieren lassen!“, sagte der Urologe zu mir, gut 5 Minuten nachdem er mir meine zweite Hodenkrebsdiagnose beibringen musste. Meine Frau und ich hatten bereits einen Sohn und wollten genau jetzt ein zweites Kind. Und dann traf uns die erneute Diagnose…

Bereits 2002 hatte ich durch ein Seminom den rechten Hoden verloren. Jedoch verliefen die Anschlusstherapie und die Nachsorge unauffällig. Auch die Zeugungsfähigkeit und der Testosteronspiegel waren im Anschluss meiner ersten Hodenkrebserkrankung nicht eingeschränkt, sodass wir im Jahre 2011 unseren Sohn bekommen konnten.

Die erneute Diagnose im linken Hoden im Jahr 2013 war dann ein ernsthafter Tiefschlag. Vor der Operation konnte mir mein Urologe nicht sagen, ob der Hoden und die Zeugungsfähigkeit beim Eingriff erhalten bleiben können. Daher wurden meine Frau und ich vor der Operation in einer Kinderwunschklinik vorstellig, um ein Kryodepot anlegen zu lassen. Es wurden also Spermien von mir untersucht und anschließend eingefroren. Die Kosten der Kinderwunschbehandlung wurden in unserem Fall nur zu einem geringen Anteil übernommen, da die Ursache für die Behandlung beim Mann lag. Auch die Kosten für das Einlagern der Spermien von ca. 600€ und die jährlich anfallenden Kosten für die Kryokonservierung von 300€ werden leider bis heute nicht von der Krankenkasse übernommen.

Wir ließen uns über die verschiedenen Möglichkeiten der Kinderwunschbehandlung aufgeklären. Die OP verlief „erfolgreich“, der Hoden konnte gerettet werden. Jedoch stellte sich ein knappes Jahr später heraus, als wir das Thema Kinderwunsch zunächst auf natürlichem Wege angingen, dass ich zeugungsunfähig geworden war.

Als wir erfuhren, dass wir auf „natürlichem Weg“ keine weiteren Kinder mehr bekommen werden, waren wir mehr als dankbar, vor der OP das Kryodepot angelegt zu haben. Wir nahmen Kontakt zu der Kinderwunschklinik auf, und entschieden uns mit den Ärzten für eine künstliche Befruchtung in Form einer „ICSI“.

Bei der IntraCytoplasmatischenSpermienInjektion werden der Frau nach einer hormonellen Stimulation zunächst Eizellen entnommen. Diese Eizellen werden außerhalb des Körpers befruchtet und anschließend wieder eingesetzt. Da diese ganze Behandlung vor allem für meine Frau sehr aufwändig und mit einigen Nebenwirkungen verbunden war, trafen wir eine Vereinbarung: wir wollten lediglich einen Versuch in der Kinderwunschklinik wagen. Im Gegensatz zu vielen anderen Paaren mit Kinderwunsch waren wir ja in der glücklichen Situation, dass wir schon unseren unglaublich tollen Sohn hatten und demnach nicht kinderlos waren.

Im April 2015 kam schließlich unsere Tochter nach einer einmaligen ICSI zur Welt und vervollständigte unsere Familie. In Anbetracht meiner beidseitigen Hodenkrebserkrankung ein wirkliches Geschenk.