Schwangerschaft & Krebs – Ein Gastbeitrag von Lisa

13. Juli 2021 –

Ein Gastbeitrag von Lisa

Im November 2018 hatten wir Besuch von den Schwiegereltern. Abends gab es dann ein Glas Rotwein und irgendwie hatte ich dann Schmerzen im Hals bekommen und mein Hals fühlte sich an als würde er platzen. Ich fand das sehr komisch und habe das Glas dann stehen lassen. Am nächsten Abend gab es dann nochmal ein Glas Wein und wieder dasselbe Spiel. Groß gedacht habe ich mir dabei nichts und hab das Glas einfach wieder stehen lassen.

An Heiligabend wollten mein Mann und ich dann abends einen Whisky trinken und schon nach dem ersten Schluck wieder dieses Gefühl und die Schmerzen. Dann habe ich es auch meinem Mann erzählt und er war verwundert. Und was macht man natürlich … na klar man schaut bei Google nach. Gesagt getan: Schmerzen im Hals nach Alkohol trinken. Das Erste was auftauchte war: MORBUS HODGKIN. Krebs?!? Ich?!? Neein!!!!! Ich habe meinen Mann angeguckt und gesagt das kann doch nicht sein und er sagte ich solle es mal abchecken lassen. Nach den Feiertagen ging ich dann zum Arzt und habe beschrieben was war und auch was ich bei Google gelesen habe und er meinte „nein nein es ist eine Histaminintoleranz“. Aber ich kann gerne mal an ihrem Hals nach Knoten fühlen. Aber da war nichts. Ich habe meinem Arzt natürlich geglaubt.

Ein paar Monate später dann die wundervolle Nachricht: ich bin wieder schwanger!!! Wir waren so glücklich! Im April 2019 habe ich dann plötzlich Schmerzen in der Schulter bekommen. Und nach ein paar Tagen habe ich dann auch einen Knoten am Schlüsselbein rechts entdeckt. Viel dabei gedacht habe ich mir auch hier nicht. Ich ging wieder zum Arzt und auf den Knoten wurde gar nicht richtig eingegangen und für die Schmerzen habe ich dann etwas bekommen was ich auch während der Schwangerschaft nehmen kann.

Wir sind dann im Mai in den Urlaub gefahren, aber der Knoten war immer noch nicht weg und langsam machte ich mir dann doch Sorgen. Nach dem Urlaub bin ich dann nochmal zum Arzt. Zwei Ärzte aus der Praxis haben sich den Knoten dann angeschaut und wussten nicht so ganz was los ist. Sie hatten mich gefragt ob ich krank war in der letzten Zeit, aber das war ich nicht. Ich war nur sehr müde und schlapp aber das war ich auch bei meiner ersten Schwangerschaft. Meine Ärztin schickte mich dann zum HNO. Dort habe ich schnell einen Termin bekommen und sie schaute sich den Knoten per Ultraschall und mich anschließend nur noch geschockt an. In ihren Augen konnte ich sehen, dass irgendetwas nicht stimmte. Sie hat gesagt wir machen ein Blutbild, aber am liebsten würde sie mich ins Krankenhaus schicken zur Biopsie. Als sie dies sagte wusste ich gar nicht was sie von mir will?! Biopsie? Warum? Was ist denn los? Ich fragte sie, aber sie sagte sie will jetzt erstmal das Blutbild abwarten und ich soll bitte einmal zum MRT und zum Endokrinologen falls sie doch falsch liegt. Gut da war ich, aber er sagte alles gut von der Schilddrüse her. Beim MRT habe ich auch super schnell einen Termin erhalten. Dort wurde dann trotz der Schwangerschaft ein MRT gemacht aber ohne Kontrastmittel. In der Praxis war es wirklich gut, da ich direkt nach dem MRT schon mit dem Arzt sprechen konnte. Aber diesen Moment als ich in seinen Raum reinkam, werde ich nie vergessen.

Er sah sehr bedrückt aus und wusste auch gar nicht wie er starten sollte. „Ich muss ihnen leider sagen neben dem Knoten am Hals haben wir noch 3 weitere, recht große Knoten im Brustkorb gefunden.“

Ich war geschockt. Ich wollte nur noch raus da… im Befund stand Lymphom?! Ich wusste nicht was das ist und fragte ihn und er sagt er will es nicht hoffen, aber es wäre eine bösartige Krankheit. Ich soll mich bitte an die Uniklinik in Tübingen wenden für eine Biopsie.

Auch dies habe ich getan und auch dort schnell einen Termin bekommen. Wegen der Schwangerschaft wollte man allerdings erst gar keine machen wegen der Vollnarkose aber wir haben uns dann zusammen mit dem Arzt dazu entschlossen, dass wir die Biopsie doch machen aber ich nur örtlich betäubt werde. Ich sage es euch, das war richtig komisch.

Die OP haben mein Baby und ich gut überstanden aber eine Woche nach der Biopsie ging es dann wieder in die Klinik und der Befund stand fest:

Hodgkin Lymphom Stadium 2.

Mein Mann war bei mir. Meine große Tochter war draußen mit der Schwiegermama.

Ich bin innerlich zerbrochen als ich die Diagnose gehört habe. Krebs? Ich? Warum? Was ist mit meinem Baby? Ich war zu dem Zeitpunkt als die Diagnose kam im 6. Monat. Ich hatte so Angst und wusste nicht wohin mit meinen Gefühlen.

Relativ schnell hatte ich dann auch einen Termin bei der Onkologin in der Uniklinik Tübingen bekommen. Der Termin war gut. Die Kurzfassung: sie sagte entweder warte ich noch 4 Monate, aber dann wüsste sie nicht wie schlecht es mir gehen würde und wie weit sich der Krebs dann noch ausbreiten würde und ein Tumor war recht nah am Herzen und auch recht groß oder wir starten die Chemo in den nächsten Wochen und holen das Baby ca. in der 36/37 SSW.

Ich fragte sie CHEMO während der Schwangerschaft? Geht das überhaupt? Aber sie hat uns alles super erklärt und aus Erfahrung raus hat noch kein Baby dadurch Schäden abbekommen. Alle Kinder kamen gesund zur Welt und waren dies auch.

Wir haben uns entschlossen die Chemo anzufangen.

Es war eine harte Zeit. Chemo und Schwangerschaft und Mama von einem Kleinkind. Meine Tochter hat nicht verstanden, warum Mama nicht mehr mit auf den Spielplatz konnte. Oder warum Mama nur noch schläft. Es war wirklich sehr schwer. Aber, mein Baby ist dann am 17.09.2019 gesund per Kaiserschnitt zur Welt gekommen. :) Sie hatte ein paar Startschwierigkeiten aber ihr geht es jetzt wunderbar und sie ist gesund und munter!

Ich bin seit März 2020 in Remission! Mir geht es okay. Ich habe ein paar körperliche Schwierigkeiten und vom Kopf her ziemlich zu kämpfen. Aber ich lebe und mein Baby lebt. Meine große Tochter hat ihre Mama wieder, die jetzt auch wieder mit auf den Spielplatz kann. :)