Was junge Erwachsene mit Krebs bedrückt

28. April 2020 –

Wissenschaftler haben in der kanadischen Provinz British Columbia die Sorgen und Nöte junger Menschen zum Zeitpunkt einer Krebsdiagnose untersucht. In der Befragung wurden 2.045 Patienten im Alter zwischen 18 und 39 Jahren mit 8.180 Menschen verglichen, die im Alter über 40 Jahre ihre Krebsdiagnose erhielten. Ergebnisse wurden vor einigen Tagen im Journal of Adolescent and Young Adult Oncology veröffentlicht. Junge Menschen leiden generell stärker unter der Krebsdiagnose. Vor allem finanzielle und berufliche Sorgen bedrücken sie auffällig häufiger.

Berlin, 28. April 2020 – Junge Menschen mit Krebs können heute in mehr als 80% der Fälle geheilt werden. Ein großer Erfolg der Medizin. Trotzdem sollte das Leiden und die Belastung durch die Krebserkrankung vor allem bei den jungen Menschen zwischen 18 und 39 Jahren nicht unterschätzt werden.

Wissenschaftler befragten Krebspatienten im kanadischen British Columbia zum Zeitpunkt der Diagnose mit validierten Fragebögen zu ihren Sorgen und Belastungen allgemein und in verschiedenen speziellen Bereichen. Das Ergebnis wurde am 7. April 2020 veröffentlicht[1]. In der Grafik zeigen wir den Vergleich der 18 bis 39 Jahre alten Patienten mit der Altersgruppe über 40 Jahren auf Grundlage der publizierten Zahlen:

Bei allen Patienten, ob jung oder alt, rief die Krebsdiagnose große allgemeine Sorgen und Ängste hervor. Es bestand das Bedürfnis nach Informationen und besserem Verstehen der Erkrankung. Die Patienten litten unter Schlafstörungen und Traurigkeit.

Die Beeinträchtigung war bei den jungen Krebspatienten deutlich stärker als in der höheren Altersgruppe. Besonders drückend für die jungen Menschen waren die Belastungen in den Bereichen Finanzen sowie Ausbildung und Beruf.

Sorgen um Einkommen, Ausbildung und Beruf auch in Deutschland oft unterschätzt

Die Erfahrungen aus Kanada passen gut zu einer vor zwei Jahren aus Leipzig veröffentlichten Untersuchung[1]. Hier wurden Patienten mit Krebsdiagnose zwischen 18 und 39 Jahren befragt, die ihre Erkrankung überstanden hatten. Bei ihnen waren nach der Krebserkrankung die Sorgen zu Einkommen und Finanzen sogar an die erste, berufliche Sorgen an die dritte Stelle der stärksten Beeinträchtigungen ihrer Lebenszufriedenheit getreten.

Nach den Erfahrungen der Deutschen Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs werden die Belastungen junger Krebspatienten oft unterschätzt. Dieser Bereich ist bei den Arzt-Patientengesprächen nicht so im Fokus. Die Betroffenen selbst finden auch oft nicht ausreichend die Gelegenheit, oder sie scheuen sich, ihre Fragen auf diesem Gebiet anzusprechen.

JUNGES KREBSPORTAL wird ausgebaut

Die Stiftung baut daher ihr Beratungsangebot im JUNGEN KREBSPORTAL Zug um Zug mit einem Wissens- und Informationsbereich aus. Betroffene wirken dabei aktiv mit. Es hat sich eine Arbeitsgruppe junger Betroffener zum Thema Finanzen und Soziales gegründet. Sie hat bereits erste Papiere als Grundlage für die Informationsbereitstellung verfasst. Ergänzt wird das Angebot im JUNGEN KREBSPORTAL durch Online-Sprechstunden und Webinare. Wir werden weiter berichten.

Die Deutsche Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs

Jedes Jahr erkranken in Deutschland nahezu 16.500 junge Frauen und Männer im Alter von 18 bis 39 Jahren an Krebs. Die Deutsche Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs ist Ansprechpartnerin für Patienten, Angehörige, Wissenschaftler, Unterstützer und die Öffentlichkeit. Die Stiftungsprojekte werden in enger Zusammenarbeit mit den jungen Patienten, Fachärzten sowie anderen Experten entwickelt und bieten direkte und kompe­tente Unterstützung für die jungen Betroffenen. Die Stiftung ist im Juli 2014 von der DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e. V. gegründet worden. Alle Stiftungsprojekte werden ausschließlich durch Spenden finanziert. Die Deutsche Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs ist als gemeinnützig anerkannt.

Spendenkonto der Deutschen Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs:
Postbank, IBAN: DE57 1001 0010 0834 2261 04, BIC: PBNKDEFF

(Die angegebene Genderform vertritt alle Geschlechter.)

[1] Smrke, A., Leung, B., Srikanthan, A., McDonald, M., Bates, A., and Ho, C. Distinct Features of Psychosocial Distress of Adolescents and Young Adults with Cancer Compared to Adults at Diagnosis: Patient-Reported Domains of Concern. J.Adolesc.Young.Adult.Oncol. 2020.

[2] Leuteritz, K., Friedrich, M., Sender, A., Nowe, E., Stoebel-Richter, Y., and Geue, K. Life Satisfaction in Young Adults With Cancer and the Role of Sociodemographic, Medical, and Psychosocial Factors: Results of a Longitudinal Study. Cancer 124, 4374-4382. 2018
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30198085/

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