Wir versuchen nach vorn zu schauen und neue Wege zu finden – Neeles Geschichte

17. Januar 2022 –

Ein Gastbeitrag von Neele

Leider kommt es immer wieder vor, dass Frauenärzte gerade bei jungen Frauen keine gründliche Vorsorge durchführen – das führt schlimmstenfalls dazu, dass Krebs spät oder zu spät erkannt wird!

Mein persönlicher Albtraum begann im November 2020, kurz vor meinem 33. Geburtstag. Nach wiederholten Kontaktblutungen, aber gänzlich ohne Schmerzen, ging ich zu meiner Frauenärztin. Da ich bei der Untersuchung extrem blutete, schickte sie mich zur Dysplasisprechstunde und war der Meinung, dass bei mir vielleicht eine Ader geplatzt sei. Es sei aber nichts Schlimmes. Auch in der nächsten Untersuchung blutete ich sehr und es war sehr unangenehm. Proben wurden eingeschickt und bald stand fest, dass es sich um Krebs handelt. Im Leben hatte ich nicht mit so einer Diagnose gerechnet. Es zog mir komplett den Boden unter den Füßen weg! Ich, so jung, sportlich, gesund, die immer zur Vorsorge gegangen war, mit so einer Diagnose. Heute bin ich überzeugt, dass meine Ärztin meinen schlechten Pap Wert falsch bewertet hat. Nach einem MRT wurde meine Hoffnung, dass der Krebs noch ganz klein sei und somit eine Entfernung des Gebärmutterhalses ausreichen würde, begraben. Der Krebs war bereits fortgeschritten und inoperabel. Das Schlimmste war für mich zu erfahren, dass ich durch die Therapie nie in der Lage sein würde ein Kind auszutragen. Mein Mann und ich haben einen starken Kinderwunsch. In einer OP wurden mir dann Lymphknoten entnommen, die Eierstöcke hochgesetzt und Eizellen für eine späteren Kinderwunsch entnommen.

Nach einer körperlich und emotional extrem belastenden Radiochemotherapie, inklusive Brachy stationär in Köln, bin ich krebsfrei. Mich hat der Gedanke durch die Therapie gebracht, dass wir unseren Kinderwunsch anders erfüllen werden und da sind wir bereits am planen. Die schwere Therapie habe ich körperlich verhältnismäßig gut weggesteckt, auch wenn mich ein Lymphödem nervt und ich immer noch Dauergast bei Ärzten bin. Psychisch quält mich das Ganze sehr, aber ich bin auch sehr dankbar für mein zweites Leben. Die Chance haben viele Frauen nicht mehr. Mein Mann und ich versuchen nun nach vorn zu schauen, neue Wege zu finden und das erlebte Schritt für Schritt etwas mehr hinter uns zu lassen. Rückblickend hatte ich Glück und war nach dem Fehler meiner Frauenärztin an gute Ärzte geraten.