Best of Congress – „AYA“

29. November 2018 –

Vom 28. September bis 02. Oktober 2018 fand in Wien die Jahrestagung der deutschen, österreichischen und schweizerischen Gesellschaften für Hämatologie und Medizinische Onkologie statt. Rund 5.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer verfolgten in zahlreichen Sitzungen die mehr als 1.200 Präsentationen. Ein Themenbereich beschäftigte sich mit den sogenannten AYAs (Adolescents and Young Adults with Cancer). Hierzu haben wir nun ein Best of Congress zusammengetragen und stellen Betroffenen und Interessierten eine Zusammenfassung der neusten und relevantesten Inhalte zu jungen Erwachsenen mit Krebs zur Verfügung:

Präventionsprogramme in der Nachsorge von AYA

Dr. med. Julia Mann – Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hubertus Wald Tumorzentrum, Universitäres Cancer Center Hamburg (UCCH)

Zusammenfassung

Die Patientengruppe der jungen Erwachsenen mit Krebs ist wie auch deren Versorgung sehr heterogen. Insgesamt sind in Europa die Versorgungsansätze sehr unterschiedlich. Bisher ist die AYA-spezifische Versorgungssituation unzureichend. Meist ist deren Struktur nur auf die medizinische Tumornachsorge beschränkt. Eine darüberhinausgehende Nachsorge, die sehr wichtig ist, fehlt. Es ist, so Mann, deshalb absolut notwendig AYA-Zentren mit multidisziplinären Teams aufzubauen.

In ihrem Vortrag geht Mann ausführlich auf die AYA-spezifische Versorgung in Deutschland ein und stellt verschiedene Akteure wie das AYA-Netzwerk der DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie, die Onkopedia-Leitlinien zu „Heranwachsenden und jungen Erwachsenen“ und AYApedia und die Angebote der Deutschen Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs, wie die Erste-Hilfe-Karte und das JUNGE KREBSPORTAL vor.

JUNGES KREBSPORTAL

Im Rahmen der Jahrestagung der deutschen, österreichischen und schweizerischen Gesellschaften für Hämatologie und Medizinische Onkologie in Wien, präsentierte Prof. Dr. med. Mathias Freund das Poster zum JUNGEN KREBSPORTAL.
(Autoren: Seifart, U.; Langer, T.; Na, I.; Schulze, J.; Freund, M.)

Psychosoziale Interventionen für AYAs

Dr. rer. med. Diana Richter – Universitätsklinikum Leipzig AöR, Medizinische Psychologie & Medizinische Soziologie, Forschungsgruppe AYA Leipzig – Junge Erwachsene mit Krebs

Zusammenfassung und Ausblick

AYAs haben, auch je nach spezifischem Alter und individueller Lebensumstände sowie anstehender Entwicklungsaufgaben unterschiedliche Informations- und Unterstützungsbedürfnisse. Bislang existieren in Deutschland keine wissenschaftlich begleiteten Interventionen zur Verbesserung der psychosozialen Lebenssituation junger Krebsbetroffener.

Die erste größer angelegte, multizentrische Studie ist das Care for Caya-Programm des Universitären Cancer Center Hamburg (UCCH). Daneben existiert eine Vielzahl niedrigschwelliger Formate wie Blogs, Facebookauftritte und Foren, wenngleich es wenig psychoedukative Internetangebote gibt. Daneben bieten Selbsthilfegruppen, Stiftungen und Vereine Anlaufstellen, Aktivitäten und Veranstaltungen (z.B. Fotoshootings, Kosmetikseminare) für junge Erwachsene mit Krebs. Eine Vernetzung dieser Initiativen mit verschiedenen Institutionen, Krebsberatungsstellen und Kliniken mit psychosozialen Beratungsangeboten ist bei Studien sehr wichtig, da in der AYA-Altersgruppe teilweise große Rekrutierungsschwierigkeiten bestehen.

Richter zufolge sollte zukünftig der Fokus auch auf die Resilienz (psychische Widerstandskraft) der AYAs gelegt werden. Was stärkt diese Gruppe? Und welche Faktoren bewirken, dass einige AYAs eine sehr gute Krankheitsbewältigung haben und andere wiederum psychosozial stark beeinträchtig sind? Ebenso wichtig ist das Differenzieren aller Altersgruppen innerhalb der AYA-Gruppe. Was braucht ein 25jähriger AYA im Gegensatz zu einem 35jährigen AYA?

Für das Jahr 2019 ist der Start neuer Projekte in Leipzig geplant. Dazu zählen die Pilotierung eines Mentorenprogramms für junge Erwachsene Krebspatienten und das Online Schreibtherapie Projekt „Onko STEP“.

Bewegungsinterventionen zur Prävention von Langzeitfolgen bei Überlebenden einer Krebserkrankung im Kindes-, Jugend- oder jungen Erwachsenenalter

Dipl.-Sportwiss. Jannike Salchow – Universitäres Cancer Center Hamburg  (UCCH)

Zusammenfassung und praktische Tipps

Studien mit jungen Krebsüberlebenden haben gezeigt, dass gezielte Interventionen zur Steigerung der körperlichen Aktivität erfolgreich sind und zu einer Verbesserung der kardiovaskulären Parameter, der Fatigue und der Lebensqualität führen können. Regelmäßige intensive Bewegung reduziert das Risiko für Herzkreislauf-Erkrankungen sowie der Gesamtsterblichkeit.

Betroffenen wird empfohlen 150 min pro Woche moderate Bewegung oder 75 min pro Woche intensive Bewegung auszuüben (oder eine Kombination aus beiden Intensitäten). Zusätzlich sollten zwei Mal pro Woche Übungen zur Kräftigung der großen Muskelgruppen ausgeübt werden.

Salchow plädierte darüber hinaus im Zuge der allgemeinen Nachsorge ergänzende Lebensstilberatungen zu Bewegung und Sport anzubieten, um individuelle Vorlieben, Ziele und Interessen berücksichtigen zu können. Das Ziel dieser Beratungen sollte eine nachhaltige Veränderung des Bewegungsverhaltens sein, um das Risiko für Langzeitfolgen zu verringern.

Krebsbehandlungen während einer Schwangerschaft – Die schwangere HL-Patientin

Prof. Dr. med. Ulrich Dührsen – Klinik für Hämatologie, Westdeutsches Tumorzentrum, Universitätsklinikum Essen

Zusammenfassung

Eine Schwangerschaft und gleichzeitige Krebsbehandlung müssen sich nicht ausschließen. Therapien währenddessen sind möglich. Der Zeitpunkt, an dem sich die Patientin innerhalb der Schwangerschaft befindet, ist jedoch ausschlaggebend.

In seinem Vortrag stellte Dührsen heraus, dass im 1. Trimenon sowohl auf Chemo- als auch auf Strahlentherapie verzichtet werden sollte, da ansonsten die Gefahr für Missbildungen bei den Kindern steigt. Ab dem 2. oder 3. Trimenon ist dagegen eine Chemotherapie in üblicher Dosis möglich, wobei kein Methotrexat verwendet werden sollte. Strahlentherapien können bei Abschirmung des Bauches ebenfalls zervikal und axillär Anwendung finden. Die letzte Therapie sollte drei Wochen vor der Entbindung und die Geburt selbst so spät wie möglich stattfinden. Frühgeburten gibt es häufig.

Dührsen erklärte, dass es bisher leider nur sehr wenig Daten gibt, da noch keine randomisierten Studien existieren. Generelle, allgemeingültige Aussagen zum Thema Krebs und Schwangerschaft können nicht getroffen werden. Es ist nach wie vor abhängig vom jeweiligen Fall.